Reisen der BABUSCHKA
Chuncheon Südkorea
Sommer 2010

4 Wochen Südkorea - eine Liebeserklärung im Sommer 2010

Internationales Puppentheater-Festival in Chuncheon, Südkorea - eingelden waren Bühnen aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Japan, Korea, Russland.Diesmal war der Aufenthalt von vielen Vorbereitungen begleitet: zwei riesengroße, schwere Postpakete mit Puppen für eine Aufführung, einen Vortrag mit Demonstration und ein 5-tägiges Seminar wurden vorausschickt, Konzepte erstellt und übersetzt und die Fragen der neugierigen Journalisten vorab beantwortet. Aber der Aufenthalt ließ auch Zeit, um die koreanische Kultur und Lebensweise genauer kennenzulernen.Barbara Scheel beim 5-tägigen Seminar "Therapeutisches Puppenspiel" während des  Festivals in Chuncheon 2010 Barbara Scheel brach Mitte Juli auf, um das Land und die Leute besser kennenzulernen. Das war notwendig, denn die koreanische Lern- und Lehrkultur hängt eng mit der Lebensweise in diesem Land zusammen. So wurde vereinbart, dass ich neben einigen wenigen Sehenswürdigkeiten, die nicht durch den letzten Krieg zerstört worden waren, einen Aufenthalt in einem Tempel in der Nähe von Uljin, im Osten Südkoreas und auf einer "Art-Farm" am Stausee Soyangdam bei Chuncheon besichtigen sollte.

Die Tempelaufenthalte werden von vielen jungen, aber auch älteren Koreanern häufiger durchgeführt, um sich neu auf den Sinn des Lebens und die Zukunftsziele des eigenen Lebens zu konzentrieren. Tägliche Meditationen, Gebete und Zeremonien, Arbeit für den Tempel und Gespräche bilden den Kern der Übungen. Letzte Vorbereitungen für den Vortrag und das Seminar zum "Therapeutischen Puppespiel" beim Internationalen Puppentheater-Festival 2010 in Chuncheon, Südkorea Geschlafen wird auf einfachsten dünnen Unterlagen, wie sie in Korea üblich und für einen westlichen Rücken gewöhnungsbedürftig sind. Da der Tempel Shin-Kwang-Sa in der Nähe von Uljin von einer buddhistischen Nonne (Snim) geführt wird, einsam in den Bergen liegt und nur über eine Sackgasse zu erreichen ist, umfing mich Stille, Wärme (im Sommer herrschen tropische Temperaturen in Südkorea), Offenheit und Freundlichkeit. Die Warnung vor Schlangen war wohl nicht aus der Luft gegriffen, aber ich hatte ohnehin kein Bedürfnis, mich auf die warmen Steine in die Sonne zu setzen, denn jeder suchte den Schatten - außer den Schlangen. Eine kleine Quelle mit köstlichem Wasser gab Erfrischung und die Gespräche über Leben und Kultur, über Geschichte und Architektur waren geeignet, das Land und die Menschen dort besser zu verstehen.

Zur Kultur des Landes gehören auch die vielen Museen, die ich mit großer Begeisterung besuchte. Am beeindruckensten war das Museum für frühe Druckkunst in Geong-ju, einer touristisch aufbereiteten, sehenswerten Stadt, die früher Zentrum der Shilla-Dynastie war. Dort wurde gezeigt, dass die beweglichen Lettern, die Gutenberg zum Druck seiner berühmten Bibelausgabe, in China erfunden, in Korea verfeinert und im Handdruckverfahren benutzt wurden. Gutenbergs Erfindung der Druckmaschine hat der Welt zusammen mit den beweglichen Lettern aus Korea die größte Revolution des Wissens und der Forschung gebracht, die man sich denken kann. Die Diskussion mit dem Kurator über diesen Zusammenhang hat mich fasziniert und beglückt. Eine wohl unwissentliche Zusammenarbeit der beiden Länder zum Wohle der Bildung im 15. Jahrhundert. Was für ein Ereignis! (Siehe auch die im Internet herunter zu ladende Schrift "Die fünfzig Wunder Koreas"  und Informationen durch das Gutenbergmuseum Mainz).

In der Nähe von Chuncheon, dem Ort des Internationalen Puppentheater-Festivals, befindet sich der größte Stausee Südkoreas. Auf einem der Berge befindet sich die Soyang-Art-Farm, nur zu erreichen mit einem Schiff und nach telefonischer Absprache. Umtost von Wassern, die nach ausgiebigem Regen den Berg herunterschossen, ohne Straßen und daher ohne Autos war das ein Platz der Ruhe und der Kommunikation. Hier erfuhr ich von den traditionellen Tänzen und Maskenspielen und der Musik, die auf der Bühne des Anwesens regelmäßig zu sehen und zu hören sind. Sie sind der Schönheit und der Zeremonie gewidmet, aber besonders die Maskenspiele zeigen, wie sich die Koreaner früher an den Herren und Großgrundbesitzern für schlechtes Benehmen und geringen Lohn gerächt haben. Sie wurden "hinter der Maske" kritisiert und lächerlich gemacht. Nach der Aufführung, die am Ende der Erntezeit stattfand, wurden die Masken verbrannt. ( www.soyangartfarm.com , leider nur in Koreanisch, aber mit eindrucksvollen Bildern).

Schließlich wurde das Festival eröffnet, nachdem 2 Tage lang AmateurgruppenKinder und Eltern beim kreativen Arbeiten auf dem Hof des Puppentheaters in Chuncheon während des Festivals 2010 ihr Können gezeigt und sich um die Geldpreise beworben haben. Bei dem Wettbewerb wurden Gruppen ausgezeichnet, die sich durch besonderes Engagement, durch Witz und Kreativität hervorhoben. Den ersten Preis gewann eine Gruppe, die aus Familien mit unterschiedlich alten Kindern ein hinreißendes Spiel zeigte. Ein Feuerwerk, das trotz des einsetzenden Regens alle in den Hof des riesigen Theaters mit 5 Bühnen lockte, beschloss den Eröffnungsabend.

Barbara Scheel während des Vortrages "Einführung in das therapeutische Puppenspiel" beim Puppentheaterfestival Chuncheon, 2010 Der Vortrag und mein Seminar über "Therapeutisches Puppenspiel" wurden sehr gut besucht. Die Teilnehmer lernten nicht nur die Bedingungen und die Wirkungsweise dieser Therapieform kennen, sondern erprobten im Seminar auch selbst, was eine Puppe alles bewirken kann. Nach dem Seminar waren sich alle einig: Es muss noch viel gelernt werden, aber es macht Freude, ein neues Gebiet zu entdecken.

Meine Aufführung der Geschichte "Die drei Muhmen" aus Norwegen, die ich am ersten Abend meinen koreanischen und internationalen Kollegen vorspielte, wurde als "Meisterleistung" bejubelt.Abschiedsfeier am letzen Seminartag in Chuncheon - oben links in großer schwarzer Schrift: Barbara Scheel alle waren fasziniert, obwohl sie kein Wort erstanden, weil ich die Geschichte - wie gewohnt - in Deutsch spielte. Glückwünsche, Einladungen zum Essen (die Koreaner essen gern, viel und sehr scharf) und die Bitte, doch im nächsten Jahr wiederzukommen, waren ein wunderbarer Abschluss meines Aufenthaltes in diesem Sommer in Korea.

  

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